Warum Größen von Marke zu Marke unterschiedlich sind

 

Wer kennt’s nicht: bei einer Marke passt Größe M perfekt, bei der nächsten ist L zu knapp. Das liegt daran, dass es keine weltweite Standardisierung für Bekleidungsgrößen gibt. Jedes Unternehmen legt selbst fest, wie groß oder klein eine "M" ausfällt.  Es gibt keinen globalen Standard für Kleidergrößen. Jede Marke entwickelt ihr eigenes Größensystem.

Hinweis: Die folgenden Erklärungen beziehen sich darauf, wie sich Gradierung und Größensysteme unterscheiden. Designerinnen arbeiten mit unterschiedlichen Grundmaßen, was die endgültigen Größenangaben beeinflusst. Die Körper an sich sind wundervoll und vielfältig. Es geht hier keinesfalls um Body Shaming.

 

 

Wie entscheiden Unternehmen, wie groß eine Größe sein soll? 

Die Größe richtet sich immer nach der Zielgruppe, also den Menschen, die die Kleidung kaufen sollen. Faktoren für die Größen einer Marke:

Zielgruppe: Marken designen für ihre "typische Kundin": athletisch, kurvig, groß, zierlich, jung, erwachsen usw. Hier ein Beispiel: Körper und Haltung verändern sich im Laufe des Lebens, ein völlig natürlicher Prozess. Verkauft eine Marke an eine sehr junge Zielgruppe, sehen die Schnitte anders aus als bei Marken, die sich an Kundinnen 40+ richten. Weil Körperform und Haltung sich unterscheiden. Je nachdem wie die Zielgruppe aussieht fällt eine "M" also unterschiedlich aus.

Durchschnittliche Körperformen: Größen unterscheiden sich auch regional, weil Körperformen regional unterschiedlich sind. Und kulturelle Schönheitsideale spielen ebenfalls eine Rolle. Südeuropäische Marken setzen häufiger auf figurbetonte Schnitte, während nordamerikanische Marken eher Komfort und Bewegungsfreiheit priorisieren.

Designphilosophie: Manche Marken bevorzugen eine schmale Passform, andere einen entspannten, lockeren Sitz. Gleiche „Größe M“, völlig anderes Kleidungsstück.

Schnittsysteme: Unterschiedliche Schnittkonstruktionssysteme (z. B. Müller & Sohn, Aldrich, etc.) erzeugen selbst bei identischen Maßen unterschiedliche Schnitte und Kleidungsstücke.

All das sorgt dafür, dass Marken innerhalb ihrer eigenen Kollektion sehr konsistent sind. Aber es bedeutet auch: Je nach Zielgruppe, Region, Körperform und weiteren Faktoren kann eine Größe „L“ von Marke zu Marke völlig unterschiedlich ausfallen.


EU vs. US-Größen – warum US Größen für deutsche Kundinnen viel zu groß ausfallen

EU‑Größen fallen im Durchschnitt kleiner aus als US‑Größen. Das führt oft dazu, dass US-Größen in Deutschland nicht passen – und umgekehrt. Hauptgrund sind die unterschiedlichen Körperformen. 

Gewicht & BMI

In den USA ist der Anteil an Menschen mit Übergewicht deutlich höher als in vielen europäischen Ländern (Global Obesity Observatory). Laut einer neuen Studie auf Basis von 3D‑Körpermessungen sind 39,8% der US‑Frauen adipös. Das CDC (offizielle staatliche Quelle) definiert inzwischen sogar 75% der US Bevölkerung als adipös. In Deutschland gelten hingegen 15,8% der Frauen als adipös. In Frankreich und Italien gelten nur 10% -11% der Frauen als adipös.

Körperformen

  • USA: Ein höheres Durchschnittsgewicht und größere Taillenumfänge verändern die Körperformen und Proportionen. Durchschnittlich fallen Frauen eher in apfelförmige oder vollere Sanduhr‑Körperformen.
  • Deutschland: Frauen sind deutlich leichter und haben tendenziell geradere Taillen und breitere Hüften. Also eher rechteckige oder birnenförmige Silhouetten. Außerdem sind Frauen in Deutschland im Durchschnitt größer und haben längere Oberkörper als Frauen in den USA.
  • Die durchschnittliche US‑BH‑Größe ist ein D‑Cup, während sie in Deutschland eher bei B–C liegt.

Fazit

Das alles heißt: Frauen in den USA tragen im Durchschnitt größere Größen als Frauen in Europa. Gewicht, Körperproportionen und Körpergröße unterscheiden sich zwischen Europa und den USA erheblich. 

Amerikanische Marken orientieren sich an den US‑Durchschnittswerten. Im Vergleich zu Europa bieten sie mehr und vor allem deutlich größere Größen an. Die Kleidungsstücke sind oft weit geschnitten und bieten mehr Spielraum. Auch Stretch-Materialien spielen eine deutlich größere Rolle. In Europa basieren Schnittmuster auf kleineren lokalen Körpermaßen und werden körpernäher konstruiert.

 

 

Marktgröße & Inklusivität bei Größen

In den USA leben viermal mehr Menschen als in Deutschland. Und ein deutlich höherer Anteil an Frauen trägt Plus Sizes.

In den USA sind erweiterte Größen kein Nischenmarkt, sondern ein großer Teil des Mainstreams. Die USA machen 31 % des globalen Plus‑Size‑Marktes aus. Das schafft einen großen, profitablen Markt für Marken, die große Größen anbieten.

Deutschland hingegen (das größte europäische Land) macht nur 7 % des Marktes aus. Sehr große Größen sind hier eine Nische. Die meisten Marken konzentrieren sich auf den Mainstream, weil dort das Geld verdient wird. Deshalb gibt es zwar Marken für große Größen, aber längst nicht so viele wie in den USA.

 

Warum wir bei naeyen professionelle Körpermaßtabellen nutzen

In vielen Ländern sammeln spezialisierte Institute wie das Hohenstein‑Institut seit Jahrzehnten Körpermaße. Hohenstein misst beispielsweise seit über 70 Jahren Menschen aller Altersgruppen in Deutschland. Diese Messungen gehen weit über Größe und Gewicht hinaus – sie berücksichtigen auch Haltung und Körperform. Das Ziel: präzise Größentabellen, die Marken helfen, Kleidung zu entwickeln, die wirklich passt.

Unsere Schnittmuster basieren – wie bei allen professionellen Schnittanbietern – auf solchen Daten. Und eines zeigt sich klar: Größe, Proportionen und sogar Haltung unterscheiden sich je nach Land erheblich.

 

Körperformen weltweit – ein spannender Vergleich

Körperformen und verfügbare Schnitte unterscheiden sich weltweit deutlich:

  • Skandinavien & Niederlande: Menschen sind im Durchschnitt größer – Kleidung wird mit längeren Proportionen konstruiert.
  • Lateinamerika: Der Fokus liegt häufiger auf kurvigeren Schnitten, besonders an Hüfte und Po.
  • Viele asiatische Länder: Marken orientieren sich an zierlicheren Körperformen mit kürzeren Bein- und Armlängen.

 

Fazit: ja, Größen variieren zwischen Marken

All das erinnert uns daran, wie wunderbar vielfältig Körper sind – und warum es beim Nähen so wichtig ist, sich an Maßtabellen zu orientieren statt an Größenlabels.

Denn am Ende ist dein Körper einzigartig – und deine Kleidung sollte es auch sein.

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