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Wenn du schon einmal ein Kleidungsstück genäht hast und dich gefragt hast, warum es anders sitzt als die Körpermaße in der Maßtabelle, lautet die Antwort oft: Mehrweite. Die Mehrweite hilft dir zu verstehen wie ein Kleidungsstück sitzt und wieviel Bewegungsfreiheit zu hast.
Die Mehrweite ist der zusätzliche Platz im Kleidungsstück, der über deine Körpermaße hinausgeht. Ein Kleidungsstück ohne Mehrweite würde wie eine zweite Haut am Körper sitzen. Ohne diese Zugabe bei Webware (z.B. Baumwollstoffe) könntest du dich nicht bequem bewegen oder hinsetzen.

Es gibt zwei Arten von Zugaben:
Das ist die Zugabe, die du brauchst, um dich im Alltag frei bewegen zu können. Du brauchst z.B. im Brustbereich Mehrweite um atmen zu können. Bei eng anliegenden Schnitten wird weniger Mehrweite verwendet als bei weit geschnittener Kleidung.
Diese Zugabe bestimmt die Silhouette des Kleidungsstücks. Manche Kleidungsstücke sollen groß ausfallen, z.B. Oversized‑Pullover, Boxy‑Shirts und weit geschnittene Hosen. Andere Kleidungsstücke sollen körpernah sitzen, z.B. Skinny Jeans, Bodys, Leggings und Etui-Kleider.
Designzugabe macht ein Kleidungsstück „locker“, „oversized“, „tailliert“ oder „körpernah“. Wird ein Schnittmuster als "oversized" beschrieben, wie z.B. unser Mantel & Jackenschnittmuster Veya, dann soll das Kleidungsstück "übergroß" bzw. extra weit sitzen.
Zwei Kleidungsstücke mit denselben Körpermaßen können völlig unterschiedlich sitzen – je nach Zugabe. Bei naeyen nutzen wir professionelle Körpermaßdaten, wie sie auch von allen großen Marken in der Bekleidungsindustrie verwendet werden. Aber auch wenn die Körpermaße immer gleich bleiben sitzen zwei Kleider-Schnittmuster mit unterschiedlicher Mehrweite sehr unterschiedlich.
Bei gleichen Körpermaßen sitzt eine Skinny Jeans viel enger als eine weit geschnittene Sommerhose.
Professionelle Schnittmuster geben dir immer eine Körpermaßtabelle und die Fertigmaße des Kleidungsstücks an. Die Differenz zwischen den Körpermaßen und den Fertigmaßen = Zugabe.
Beispiel:
Hüftmaß: 100 cm
Fertigmaß: 110 cm
→ Zugabe: 10 cm
So weißt du schon vor dem Zuschnitt, wie das Kleidungsstück sitzen wird. Ist die Zugabe hoch, sitzt das Kleidungsstück locker.
Das hängt in erster Linie von deiner persönlichen Vorliebe ab. Magst du locker sitzende Kleidung? Dann wähle Schnittmuster mit mehr Mehrweite. Wenn du gerne enge, körperbetonte Kleidung magst, dann wähle Schnittmuster mit wenig oder negativer Mehrweite.
Du kannst die Mehrweite natürlich auch anpassen. Wenn dir z.B. unsere oversized Jacke Veya gefällt, aber dir die Mehrweite an der Taille und Hüfte zu viel ist, kannst du das Schnittmuster hier anpassen. Z.B. indem du zu einer kleineren Größe gradierst. Vielleicht wählst du auch insgesamt eine Größe kleiner (achte aber unbedingt darauf, dass du noch genug Platz an den Schultern, im Brustbereich und an der Hüfte hast).
Beachte, dass bestimmte Stoffe Mehrweite brauchen. Webware braucht mehr Zugabe, weil sie nicht dehnbar ist. Dehnbare Stoffe, wie z.B. Jersey, brauchen weniger Zugabe. In eine weite Hose mit Gummibund kannst du hineinschlüpfen. Eine enge Hose aus festem Baumwollstoff braucht einen Reißverschluss zum Anziehen.
Negative Zugabe wird bei dehnbaren Stoffen verwendet. Das Kleidungsstück ist kleiner als der Körper und dehnt sich beim Tragen.
Beispiele:
Mehrweite ist ein wichtiger Schlüssel zur richtigen Passform. Wenn du sie verstehst, kannst du Schnittmuster besser einschätzen, Größen sicherer wählen und Kleidung nähen, die du wirklich gerne trägst.